SmallTolk #169: Der Blick ins Buch: Der Prolog

J.R.R. Tolkien hatte die Gelegenheit, den Herrn der Ringe mit dem zweitbesten Einleitungssatz der Literaturgeschichte beginnen zu lassen. Stattdessen wird der Beginn des ersten Buches durch Erläuterungen über Briefträger und Pfeifenkraut verzögert.
Für diejenigen, die diese 23 Seiten korrekterweise ab dem 1. Reread überspringen, werden wir die Inhalte des Prologs nochmal gemeinsam durchgehen und dabei unerbittlich über Sinn und Unsinn von Kapitel Null diskutieren.
Die Aufnahme erfolgt am Sonntag, um 21:00 Uhr, zuschauen kann man wie gewohnt per youtube, facebook oder Twitch.
Show Notes
Das Vorwort [Ardapedia] | Tolkien Gateway
Die „Überlieferung“ (Das Rote Buch der Westmark usw.) [Ardapedia]
Allegorie und Anwendbarkeit
„Was die tiefe Bedeutung oder ‚Botschaft‘ des Buches angeht, so hat es nach Absicht des Autors keine. Es ist weder allegorisch, noch hat es irgendeinen aktuellen Bezug. […] Ihr Ursprung sind Dinge, die mir schon lange im Sinn lagen oder in einigen Fällen schon niedergeschrieben waren, und wenig oder nichts wurde durch den Krieg, der 1939 begann, oder durch seine Folgen verändert. […] Der wirkliche Krieg hat weder in seinem Verlauf noch in seinem Ausgang eine Ähnlichkeit mit dem Krieg der Sage. […] Denkbar wären auch Deutungen gemäß den Vorlieben oder Ansichten derjenigen, die auf allegorische oder aktuelle Bezüge Wert legen. Doch die Allegorie in allen ihren Formen verabscheue ich von Herzen, und zwar schon immer, seit ich alt und argwöhnisch genug bin, ihr Vorhandensein zu bemerken. Geschichte, ob wahr oder erfunden, mit ihrer vielfältigen Anwendbarkeit im Denken und Erleben des Lesers ist mir viel lieber. Ich glaube, dass ‚Anwendbarkeit‘ mit ‚Allegorie‘ oft verwechselt wird; doch liegt die eine im freien Ermessen des Lesers, während die andere von der Absicht des Autors beherrscht wird.“ [meine Hervorhebung]
Aus dem Vorwort Tolkiens zur revidierten Ausgabe von 1966.
Die Funktion eines Prologs [Wikipedia]
Das Vorwort als PDF [Hobbitpresse]
Epische Vorausdeutung [Wikipedia]
Mittelalterliche Manuskripte [Wikipedia]
Abspielgeschwindigkeit bei Streaming:
This suggests that the young group in the survey sample preferred to use the double-speed function to watch videos on their mobile phones, which is consistent with their video-watching behavior on mobile devices. Regarding the selection of double-speed rates, a 1.25x speed rate was used in 18.7% of visits, while a 1.5x and 2x rate was used in 26.3% and 26.0% of visits, respectively.
Exploring the use of double-speed video playback in a fast-paced society through structural equation modeling.
Kommentare aus dem Discord
Die mittelalten Herren on Fire heute 🔥😂
Ich liebe den Prolog. Aber eigentlich erst, seit ich das ganze Foreshadowing darin entdeckt habe. Er erfüllt definitiv nicht den Zweck, den Tolkien ihm wohl zugedacht hat, nämlich den Einstieg zu erleichtern. Aber Tolkien dachte ja auch, man benötige das Silmarillion, um den Herrn der Ringe zu verstehen. Aber es ist einfach herrlich, dass wir von Fornost und Annúminas hören, bevor auch nur ein gewisser Streicher die Bühne betreten hat. Und die Notizen zur Überlieferung des Roten Buchs sind für mich als Philologen ein Fest!
Tolkien hat „gespoilert“, weil er seine Geschichten wie Mythologie behandelt. Und Mythologie kennt eben schon jeder. Wer im klassischen Athen in eine Aufführung von König Ödipus gegangen ist, wusste schon, wie die Sache ausgeht. Es gibt übrigens Studien dazu, dass Spoiler den Sehgenuss erhöhen, weil man nicht im Tunnelblick auf der Suche nach der Auflösung ist.
Danke für die schöne Sendung, ich für meinen Teil habe wieder dazugelernt und freue mich immer über neues Detailwissen.
